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Die Arroganz des Westens? Meine Erfahrungen von der BIG 5!

Die Arroganz des Westens? Meine Erfahrungen von der BIG 5!

Dubai. Allein der Name steht für Gigantismus, Geschwindigkeit und eine Bauindustrie, die niemals schläft. Wer die BIG 5 besucht, spürt sofort diesen Puls. Es ist der Ort, an dem sich die globale Bauwelt trifft und wo man sehr deutlich sehen kann, wie die Branche tickt.

Ich komme gerade von dieser Messe zurück, den Kopf voll mit Eindrücken, Visitenkarten und intensiven Gesprächen. Und eines vorweg: Es läuft gut. Schaut man sich die vielen neuen, prestigeträchtigen Projekte in der Region an, setzen die Investoren aktuell noch immer primär auf deutsche Anlagentechnik. "Made in Germany" ist bei den aktuellen Großprojekten oft noch gesetzt. Doch genau hier, zwischen Gesprächen am Messestand und dem Händeschütteln über erfolgreiche Abschlüsse, hat sich ein Gefühl in mir breitgemacht, das mich nachdenklich stimmt. Ich nenne es mal provokant: Die trügerische Sicherheit des Etablierten.

"Die können das noch nicht" - Ein Satz mit Ablaufdatum!

In den Gesprächen mit den Herstellern spürte man natürlich die Zufriedenheit über die aktuelle Marktsituation. Aber sobald die Sprache auf den Wettbewerb aus China kam, schlich sich ein Unterton ein, den ich für gefährlich halte. Da standen wir, mitten in einer Region, die sich rasant wandelt, und ich hörte Sätze wie:

  1. "Ach, die Chinesen. Das ist keine echte Konkurrenz." 
  2. "Die Qualität reicht einfach nicht an uns ran." 
  3. "Die können das noch nicht."

Diese Aussagen wurden oft mit einer fast schon erhabenen Selbstverständlichkeit getroffen. Man ruht sich auf dem Status Quo aus. Man sieht die aktuellen Verkaufszahlen und leitet daraus ab, dass das auch in fünf oder zehn Jahren noch so sein wird. Das fühlte sich teilweise sehr arrogant an – und ich glaube, dass diese Denkweise extrem riskant ist.

Der Erfolg von heute ist kein Garant für morgen!

Ja, stand heute kaufen die Kunden in den Emiraten und im Umland noch bevorzugt bei uns. Aber wir müssen die Augen aufmachen: Die chinesischen Hersteller schlafen nicht, sie lernen rasend schnell dazu. Die Anlagen aus Fernost werden besser. Die Formen werden präziser. Die Technik holt auf. Vielleicht sind sie heute noch nicht bei 100 % dessen, was eine deutsche High-End-Anlage leistet. Aber was, wenn sie bei 90 % sind – und das zu einem deutlich attraktiveren Preis und mit aggressiven Lieferzeiten?

Die Arroganz, die ich auf der Messe teilweise rausgehört habe, verkennt eine einfache Wahrheit: Der Markt in Ländern wie den UAE ist extrem dynamisch. Loyalität ist gut, aber Wirtschaftlichkeit ist am Ende entscheidend. Wenn wir uns jetzt sicher fühlen und glauben, unser Ruf allein reicht für die nächste Dekade, dann öffnen wir dem Wettbewerb Tür und Tor.

Innovation statt Ausruhen!

Mir geht es nicht darum, die deutsche Technik schlechtzureden – im Gegenteil. Ich weiß, dass wir technologisch führend sind. Aber genau deshalb ist es so wichtig, diesen Vorsprung aktiv zu verteidigen und nicht nur zu verwalten. Das Gefühl der Sicherheit ("Die kaufen eh bei uns") darf nicht dazu führen, dass wir innovationsfaul werden. 

  1. Den Wettbewerb respektieren:Wir müssen aufhören, die Chinesen zu belächeln. Wir müssen anerkennen, dass sie eine ernstzunehmende Alternative werden – und zwar schneller, als es manchem lieb ist. 
  2. Vorsprung ausbauen:Wir müssen jetzt, wo das Geld und die Aufträge da sind, massiv in Innovation investieren. Wir müssen Lösungen bieten, die so gut sind, dass der Kunde gar nicht erst über die chinesische Alternative nachdenken will.
  3. Haltung ändern:Weg von der Überheblichkeit, hin zu echtem Kampfgeist. Wir müssen um die zukünftigen Projekte wieder mehr kämpfen, durch Leistung und neue Ideen, nicht nur durch den Verweis auf die Vergangenheit.

Der Besuch auf der BIG 5 hat mir gezeigt: Die deutsche Betonindustrie steht (noch) blendend da. Aber am Horizont zieht Konkurrenz auf, die hungrig ist. Ich möchte mit diesem Beitrag wachrütteln. Lasst uns die aktuelle Stärke nutzen, um den Abstand zum Wettbewerb wieder zu vergrößern. Die Chinesen kommen, und sie werden nicht schlechter. Wer jetzt arrogant stehenbleibt, wird sich in ein paar Jahren wundern, warum sich der Markt gedreht hat.Lasst uns innovativ bleiben und den "German Engineering"-Vorsprung wirklich leben – jeden Tag neu.

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